• EUSTORY Jugendakademie | Foto © David Ausserhofer

    ErlebnisOrte der Demokratie

    Junge Menschen aus ganz Deutschland waren eingeladen, persönlichen ErlebnisOrte der Demokratie in Bildern festzuhalten und zu kommentieren. Die Fotos zeigen, wo und wie Kinder und Jugendliche Demokratie positiv erleben – und wo sie sich mehr Beteiligung wünschen. Entdecken Sie, wie junge Menschen Demokratie im Alltag erleben!

  • Foto © Jann Wilken

    Wie wird Demokratie erlebt?

    Über 200 ErlebnisOrte der Demokratie bieten einen unvergleichlichen Einblick und zeigen, wie Kinder und Jugendliche – ganz persönlich – Demokratie im Alltag erleben: in der Schule, in der Familie und in der Clique, an großen, politischen Entscheidungen und an kleinen Momenten des Alltags.

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Skandale erforschen

Johannes (17 Jahre) aus Münster

Skandale erforschen
17 – 22 Jahre
Lernen mitverantworten
Schule

Worüber sollte entschieden werden? / Was war das Problem?

Ich habe mich auf Spurensuche begeben, um die Hintergründe eines Justizskandals in Münster zu erforschen. Durch einen Zufall stieß ich auf den bereits 50 Jahre zurück liegenden Weigand-Skandal und arbeitete ihn im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten auf. Was war passiert? 1961 wurde der Anwalt Paul Blomert tot in seiner Wohnung tot aufgefunden. Durch Ermittlungsfehler seitens der Polizei war es unklar ob es sich um Mord, Selbstmord oder einen Unfall handelte. Der selbsternannte Sozialanwalt Günther Weigand war sich sicher, dass Blomert ermordet worden war. Und zwar auf Befehl des Münsteraner Oberbürgermeister. Mittels Flugblättern machte er seine Theorie publik. Die Münsteraner Justiz wusste sich nicht anders zu helfen, als ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu geben. So hätte man Weigand in die Psychiatrie einweisen können. Der zuständige Psychiater kam aber zu einem anderen Schluss, änderte aber sein Gutachten auf Drängen der Justiz. So wurde Weigand in die Psychiatrie eingewiesen. Doch der „Sozialanwalt“ war bereits überregional aufgefallen und schnell berichteten SPIEGEL und die ZEIT über den mittlerweile öffentlich gewordenen Skandal. Am Ende wurde Weigand zwar aus der Psychiatrie entlassen, aber zu einer 2 jährigen Haftstrafe verurteilt.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Die Untersuchung habe ich selber vorgenommen, verschiedene Archive haben mich dabei unterstützt. Das Landesarchiv stellte mir bereitwillig die Justizakten des Falles zur Verfügung. Darin waren auch das nachträglich gefälschte psychiatrische Gutachten und einige Flugblätter enthalten. Ebenfalls beteiligte sich eine Zeitzeugin an den Untersuchungen des Skandals. Sie war während der Zeit des Skandals Journalistin bei der ZEIT.

Wie bist du / seid ihr zu der Entscheidung gekommen?

Nachdem ich beschlossen hatte am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilzunehmen, suchte ich ein spannendes Thema. Im online Archiv der ZEIT stieß ich auf einen Artikel über Weigand, mein Interesse war geweckt und ich begann zu recherchieren. Schnell war ich von der Brisanz des Weigand-Skandals überzeugt. Nach einigen Wochen der Recherche im Archiv hatte ich die wichtigsten Informationen gesammelt und setzte diese in einem Dokumentarfilm um. Die Aufarbeitung eines Skandals machte großen Spaß und brachte auch viele neue Erfahrungen mit sich. Ich fühlte mich wie ein Journalist, der einer Affäre auf die Spur gekommen ist. Und gerade das sind ja die Aufgaben der Medien um die Demokratie zu stützen: Aufdeckung und Aufarbeitung!

Wie ging es nach der Entscheidung weiter?

Aus meinen Untersuchungsergebnissen heraus habe ich einen Dokumentarfilm erstellt. Den Film habe ich dann sowohl in meinem Geschichtskurs als auch bei einigen Präsentationen gezeigt, unter anderem beim Tag der offenen Tür unserer Schule und bei einer Ausstellung im Rathaus in Münster. Im Sommer wurde der Film mit einem Landespreis ausgezeichnet, ein halbes Jahr später mit einem 2. Bundespreis. Viele Freunde und Bekannte interessierten sich für den Film. Eine Freundin schrieb mir: „Als ich den Film gesehen habe, habe ich mich geschämt, dass ich nicht wusste das so etwas schlimmes in Münster passiert ist.“