• EUSTORY Jugendakademie | Foto © David Ausserhofer

    ErlebnisOrte der Demokratie

    Junge Menschen aus ganz Deutschland waren eingeladen, persönlichen ErlebnisOrte der Demokratie in Bildern festzuhalten und zu kommentieren. Die Fotos zeigen, wo und wie Kinder und Jugendliche Demokratie positiv erleben – und wo sie sich mehr Beteiligung wünschen. Entdecken Sie, wie junge Menschen Demokratie im Alltag erleben!

  • Foto © Jann Wilken

    Wie wird Demokratie erlebt?

    Über 200 ErlebnisOrte der Demokratie bieten einen unvergleichlichen Einblick und zeigen, wie Kinder und Jugendliche – ganz persönlich – Demokratie im Alltag erleben: in der Schule, in der Familie und in der Clique, an großen, politischen Entscheidungen und an kleinen Momenten des Alltags.

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Gegen den Willen der Stadt

Julius, Simon, Simon, Max und Justus (17 Jahre) aus Münster

Gegen den Willen der Stadt
Für die Präsentation beim DemokratieFest ausgewählt
17 – 22 Jahre
Protest äußern
Politik und Initiativen
Dieser ErlebnisOrt wurde im Sommer 2012 beim DemokratieFest des Bundespräsidenten präsentiert.

Simon, Julius, Simon, Max und Justus (17) sammeln Unterschriften

Manchmal muss man erst auf ein Problem aufmerksam machen: Das haben auch Julius, Simon, Simon und Max erlebt. Die fünf Jungs wohnen in Münster, wo es seit langem Streit um den Dortmund-Ems-Kanal gibt. Der Kanal soll breiter werden, damit größere Schiffe fahren können. Julius und die anderen sind gegen diesen Ausbau. Sie fürchten, dass die Bagger und Bauarbeiter die Natur zerstören und dass viele Bäume gefällt werden. Deshalb engagieren sie sich jetzt in einer Bürgerinitiative.

Eigentlich ist Kanalausbau schon beschlossene Sache. Aber Julius und seine Freunde fühlen sich übergangen. Niemand hat die Anwohner gefragt, sagen sie. Gemeinsam haben sie Unterschriften gegen den Kanalausbau gesammelt. 3466 Unterschriften waren es Ende Februar.

Aber selbst wenn sie nicht erfolgreich sein sollten, haben Julius, Simon, Simon, Max und Justus etwas über Demokratie gelernt: „Nicht nur Politiker und Ämter sollten an solchen Entscheidungen beteiligt sein, sondern auch wir“, sagen sie. Sie haben eine Fotocollage gebastelt: Kleine Papierboote schwimmen da auf ein Frachtschiff zu. Das Frachtschiff steht für die scheinbar unumstößliche Entscheidung der großen Politik, erklären sie. Die vielen kleinen Papierboote seien ein Symbol für die Macht der Bürger: „Ein einzelnes Papierbötchen kann nichts ausrichten“, sagt Julius, „erst eine große Anzahl ist in der Lage sich mit der großen Politik zu messen.“


Worüber sollte entschieden werden? / Was war das Problem?

Der Ausbau des Dortmund-Ems Kanals beschäftigt schon lange Zeit die Politik auf kommunaler Ebene in Münster sowie auf Länder-Ebene in Nordrhein-Westfalen. Um gegen den Ausbau des Kanals vorgehen zu können, hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die versucht das derzeitige Konzept überdenken zu lassen oder es gar nicht erst umzusetzen. Statt einer Bauzeit von fünf Jahren sollte die Ausbauphase des Kanals sich um weitere fünf Jahre verlängern, auf sodann zehn Jahre, was auf Kritik der Bürgerinitiative stieß. Neben einem Naherholungsgebiet, der Uferpromenade, seien auch wichtige Bäume in Gefahr gefällt zu werden. Hierauf macht die Bürgerinitiative besonders aufmerksam.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Nicht nur das Verkehrsministerium, welches für den Ausbau verantwortlich ist, sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt Münster waren an der Entscheidung beteiligt, sondern auch wir. Der Bund zahlt den Ausbau, der an einigen Stellen vier Meter, an anderen Stellen des Kanals bis zu 33 Metern betragen soll. Münster ist nach Auskunft des zuständigen oben genannten Amtes mit einigen weiteren kleineren Stellen der letzte ausbaunötige Bereich in dem Dortmund-Ems-Kanal, der das Ruhrgebiet mit dem Mittellandkanal verbindet. Wir und die anderen Anwohner in der Nähe des Dortmund-Ems-Kanals werden durch diese Ausbauten gestört, da diese weit über 10 Jahre andauern sollen.

Wie bist du / seid ihr zu der Entscheidung gekommen?

Mit der Frage nach der Erweiterung des Kanals wurden wir mit dem Thema "Demokratie" konfrontiert. Statt herkömmlichen, redenschwingenden Politikern aus Berlin oder Düsseldorf, lernten wir eine andere Form der Volkssouveränität kennen. Aufgewühlte Anwohner und protestierende Bürger kritisierten den Entschluss der Stadt. Mit dem Wort als Waffe machte eine Bürgerinitiative auf sich aufmerksam. Als aktive Teilnehmer einer Unterschriftensammlung zugunsten der Initiative möchten wir mithilfe unserer Fotografie den vorliegenden Konflikt visualisieren. So repräsentiert das Frachtschiff die Entschlossenheit von Stadt und Land. Als "Fels in der Brandung" wirkt dieser metaphorisch als unumstößlich. Ein einzelnes Papierbötchen, gefaltet aus einem Stimmzettel, kann nichts gegen die Stärke und Kraft eines solchen Tankers ausrichten. Erst eine große Anzahl ist in der Lage sich mit diesem zu messen. Jeder Bürger legt so der Politik einen Stein in den Weg und tritt für seine persönlichen Interessen ein. Für uns bedeutet das, "Demokratie leben und erleben"!

Wie ging es nach der Entscheidung weiter?

Die Bürgerinitiative wie auch unsere Gruppe sammelten Unterschriften, um so gegen diese Entscheidung, bei welcher die Meinung der Bürger, der Anwohner und auch der Besucher eines nah anliegendem Naherholungsgebiet, unserer Überzeugung nach übergangen worden sind, Protest einzulegen und die Entscheidung rückgängig zu machen. Wir sammelten Unterschriften, 3466 waren es am 27. Februar 2012. Eine abschließende Entscheidung steht jedoch noch nicht an.