• EUSTORY Jugendakademie | Foto © David Ausserhofer

    ErlebnisOrte der Demokratie

    Junge Menschen aus ganz Deutschland waren eingeladen, persönlichen ErlebnisOrte der Demokratie in Bildern festzuhalten und zu kommentieren. Die Fotos zeigen, wo und wie Kinder und Jugendliche Demokratie positiv erleben – und wo sie sich mehr Beteiligung wünschen. Entdecken Sie, wie junge Menschen Demokratie im Alltag erleben!

  • Foto © Jann Wilken

    Wie wird Demokratie erlebt?

    Über 200 ErlebnisOrte der Demokratie bieten einen unvergleichlichen Einblick und zeigen, wie Kinder und Jugendliche – ganz persönlich – Demokratie im Alltag erleben: in der Schule, in der Familie und in der Clique, an großen, politischen Entscheidungen und an kleinen Momenten des Alltags.

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Umbenennung des Hindenburgplatzes

Isabella, Julia und Mirjam (Jahrgang 10) aus Münster

Umbenennung des Hindenburgplatzes
Für die Präsentation beim DemokratieFest ausgewählt
13 – 16 Jahre
Lernen mitverantworten
Schule
Dieser ErlebnisOrt wurde im Sommer 2012 beim DemokratieFest des Bundespräsidenten präsentiert.

Isabella, Julia und Mirjam (10. Klasse) beschäftigen sich mit der Geschichte unser Demokratie

Wie sollen wir im demokratischen Deutschland mit der faschistischen Vergangenheit umgehen? Isabella, Julia und Mirjam (10. Klasse) haben sich intensiv damit auseinandergesetzt. In Münster, wo die drei wohnen, gibt es einen Hindenburgplatz – obwohl Paul von Hindenburg erklärter Antidemokrat war und als Wegbereiter Hitlers große Verantwortung für das Ende der Weimarer Republik trägt. Nun fordern einige Münsteraner, den Hindenburgplatz umzubenennen, andere sind dagegen.

Auf ihrem Foto sieht man die Schülerinnen Isabella, Julia und Mirjam auf dem Hindenburgplatz. Die Transparente in ihren Händen symbolisieren die unterschiedlichen Meinungen in Münster, denn die Mädchen verstehen beide Positionen: „Obwohl wir uns gut informiert haben, können wir uns nicht auf eine Seite stellen“, sagen sie. Einerseits sei Hindenburg der Hauptverursacher des Aufstiegs Hitlers. Andererseits finden die Mädchen, dass man ihn gerade deshalb nicht vergessen sollte: als mahnendes Beispiel.

Bei ihren Recherchen haben die drei eine Menge über Paul von Hindenburg gelernt. Und ihnen ist klar geworden: „Die Geschichte hat noch heute eine enorme Bedeutung.“ Außerdem haben sie gelernt, dass in einer Demokratie nicht einfach eine Gruppe der anderen ihre Meinung aufdrücken kann: „Ohne demokratische Abstimmung bzw. Wahl kann das nicht geklärt werden“, finden sie. wenn der Platz nicht umbenannt wird, sind die Mädchen dafür, irgendwo ein Zusatzschild anzubringen, das über Hindenburg informiert. „Wir wollen eine unreflektierte Ehrung verhindern.“ Der Versuchung, sich unreflektiert auf eine Seite zu schlagen, haben auch die drei Mädchen widerstanden: Bevor sie sich eine Meinung bildeten, informierten sie sich ausführlich. Dabei machten sie auch die Erfahrung, dass in einer Demokratie manchmal auch zwei Positionen gleichermaßen ihre Berechtigung haben können.


Worüber sollte entschieden werden? / Was war das Problem?

Wir haben die schon lange diskutierte Frage der Umbenennung des Hindenburgplatzes als Projektthema gewählt, da es zurzeit in Münster ein sehr aktuelles und ganz besonders alle betreffendes Problem darstellt, da die Meinungen vieler Historiker, aber auch Bürger, je nach Altersgruppe weit auseinander gehen, und ohne demokratische Abstimmung bzw. Wahl nicht geklärt werden kann, wie und ob eine Umbenennung dann überhaupt nötig ist.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Wir haben uns gemeinsam und nach langem Überlegen für das Thema der Umbenennung des Hindenburgplatzes entschieden. Wir, das ist in diesem Fall unsere Dreiergruppe bestehend aus Isabella Preis, Julia Evels und Mirjam Bauer. Ebenfalls beteiligt war unsere Geschichtslehrerin, die sich sehr für das Projekt aussprach und es so weit wie möglich unterstützte und uns zu neuen Ideen aufmunterte. Gestützt wurde unsere Entscheidung zudem durch die Tatsache, dass gerade zu diesem Zeitpunkt eine dazugehörige Ausstellung zum Thema Hindenburg stattfand, die wir natürlich zusammen voller Interesse besuchten um uns einerseits zu informieren, aber auch um auf dem neusten Stand zu sein.

Wie bist du / seid ihr zu der Entscheidung gekommen?

Wir hatten das Thema, der Umbenennung von Straßennamen in Münster, kurzzeitig im Geschichtsunterricht und wurden daher darauf aufmerksam. Dort haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, und auch unsere eigene Meinung dazu abgegeben. Als schließlich unsere Geschichtslehrerin Wochen später anbot, in Kleingruppen an dem Projekt „Demokratie Erleben“ teilzunehmen, stand unsere Kleingruppe, bestehend aus drei Leuten, direkt fest. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns schließlich auch aufgrund unseres Vorwissens und der Aktualität des Themas für den Hindenburgplatz. Jedoch müssen wir dazu sagen, dass wir uns trotz der guten Informationen und verschiedenen Blickwinkeln noch nicht auf eine Seite stellen können, da wir finden, dass Hindenburg zwar Hauptverursacher des Aufstiegs Hitlers und damit des Nationalsozialismus war, andererseits aber auch und vielleicht auch gerade deswegen von großer Wichtigkeit für den Verlauf der Geschichte ist, weil er sowohl positive als auch negative Seiten mit sich trägt, und daher genauso eine Erinnerung verdient hat, und sei sie nur zum Auffrischen des Gedächtnisses der Münsteraner Bürger. Sollte die Bürgerwahl jedoch gegen eine Umbenennung stimmen, halten wir es für notwendig ein Zusatzschild an das Straßenschild des Hindenburgplatzes anzubringen, welches über die Person Paul von Hindenburg, seine Taten und die Schattenseiten seiner Karriere informiert, um eine nicht hinterfragte Ehrung zu verhindern.

Wie ging es nach der Entscheidung weiter?

Nachdem wir uns nun einvernehmlich auf ein Thema ausgesprochen hatten, planten wir sorgfältig die nächsten notwendigen Schritte. Zuerst sammelten wir Ideen für das Foto, eine Aufgabe, die, wie wir gestehen müssen, gar nicht so einfach war. Erst nachdem wir in die Ausstellung „Ehre wem Ehre gebührt“ zum Thema der allgemeinen Umbenennung von Straßen und Plätzen in Münster gegangen sind, und uns dort reichlich über Hindenburg als Namensträger informiert hatten, kam uns die Idee für das möglicherweise perfekte Foto. Ausgestattet mit dem nötigen Wissen, schossen wir wenige Tage später, das nun zu sehende Bild vor dem Schloss des Hindenburgplatzes mit zuvor fertiggestellten Demonstrationsschildern, die den Zwiespalt der Meinungen, was die Änderung des Namens anbelangt, für jeden verständlich ausdrücken sollen. Wir haben bei unseren Recherchen eine Menge über die historische Figur Hindenburgs gelernt und vor allem auch darüber, welche „Sprengkraft“ Geschichte enthalten kann, wenn es z.B. darum geht, einen geeigneten Straßennamen zu wählen und bestimmte historische Personen zu ehren.