• EUSTORY Jugendakademie | Foto © David Ausserhofer

    ErlebnisOrte der Demokratie

    Junge Menschen aus ganz Deutschland waren eingeladen, persönlichen ErlebnisOrte der Demokratie in Bildern festzuhalten und zu kommentieren. Die Fotos zeigen, wo und wie Kinder und Jugendliche Demokratie positiv erleben – und wo sie sich mehr Beteiligung wünschen. Entdecken Sie, wie junge Menschen Demokratie im Alltag erleben!

  • Foto © Jann Wilken

    Wie wird Demokratie erlebt?

    Über 200 ErlebnisOrte der Demokratie bieten einen unvergleichlichen Einblick und zeigen, wie Kinder und Jugendliche – ganz persönlich – Demokratie im Alltag erleben: in der Schule, in der Familie und in der Clique, an großen, politischen Entscheidungen und an kleinen Momenten des Alltags.

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Eine starke Gemeinschaft

Melina, Diana und Sophia (Jahrgang 10) aus Senden/ Münster

Eine starke Gemeinschaft
Für die Präsentation beim DemokratieFest ausgewählt
13 – 16 Jahre
Sich für andere engagieren
Politik und Initiativen
Dieser ErlebnisOrt wurde im Sommer 2012 beim DemokratieFest des Bundespräsidenten präsentiert.

Melina, Diana und Sophia (10. Klasse) verhindern eine Abschiebung

Eine serbische Familie wohnte schon seit vielen Jahren in der Gemeinde Senden bei Münster und war voll integriert. Vater und Mutter waren berufstätig, die Kinder zum Teil in Deutschland geboren. „Mit der Tochter bin ich sogar zusammen zur Grundschule gegangen“, erzählt Melina. Als die Familie ihre Ersparnisse in eine Immobilie stecken wollte und einen Bauantrag stellte, erhielt sie statt der erhofften Baugenehmigung die Ausweisung aus Deutschland.

„Meine Mitschüler und ich haben das genauso wenig verstanden wie unsere Eltern, die Arbeitskollegen der betroffenen Familie und deren Freunde!“, empört sich Melina. „Denn in diesem Fall ging es um eine Familie, deren Kinder das Heimatland ihrer Eltern nur aus Erzählungen oder dem Fernsehen kannten.“ Viele Schulklassen und Vereine, zahlreiche Einwohner von Senden sowie Freunde und Familie engagierten sich gemeinsam dafür, die aus ihrer Sicht ungerechtfertigte Ausweisung zu stoppen. Auch in der Schule diskutierten Melina, Diana und Sophia mit ihren Mitschülern darüber, wie sie den bevorstehenden Abschied von der Klassenkameradin verhindern könnten. „So kamen wir auf die Idee, Unterschriften gegen die Ausweisung zu sammeln und diese später der Gemeinde vorzulegen. Schließlich konnten wir nicht tatenlos dasitzen und zusehen! Immerhin ging es für manche auch um eine Freundin, die wir sonst vielleicht nie mehr wieder gesehen hätten.“

Das vielfältige Engagement der Bürger war schließlich von Erfolg gekrönt: „Die Familie durfte in Senden bleiben und ein eigenes Haus bauen. Die Kinder besuchen das Gymnasium; die älteste Tochter steht kurz vor dem Abitur.“ Für Melina und ihre Freundinnen ging es aber nicht nur um eine Entscheidung über die Ausbürgerung einer Familie. „Denn der Fall zeigt, wie einfach man in das demokratische Geschehen eingreifen kann: Wenn man sich wirklich bemüht, kann eine starke Gemeinschaft mit wenig Aufwand viel erreichen!“


Worüber sollte entschieden werden? / Was war das Problem?

In meinem (Melinas) Wohnort Senden entschied die Kommune, dass eine Familie, die seit vielen Jahren integriert und sesshaft geworden ist, ausgebürgert werden soll. Eine serbische Familie wohnte schon seit vielen Jahren in der Gemeinde. Vater und Mutter waren berufstätig und die Kinder zum Teil in Deutschland geboren. Mit der Tochter bin ich zusammen zur Grundschule gegangen. Als die Familie ihre Ersparnisse in eine Immobilie stecken wollte und einen Bauantrag stellte, erhielt sie statt der erhofften Baugenehmigung die Ausweisung aus Deutschland. Dies haben meine Mitschüler und ich genauso wenig verstanden wie unsere Eltern, die Arbeitskollegen der betroffenen Familie und deren Freunde. Denn in diesem Fall ging es um eine Familie, die es geschafft hat, sich voll und ganz in das Leben und Arbeiten in Deutschland zu integrieren, die auch untereinander Deutsch gesprochen hat und deren Kinder in Deutschland geboren waren und das Heimatland ihrer Eltern nur aus Erzählungen, von Bildern und aus dem Fernsehen kannten.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Viele Schulklassen und Vereine, aber auch zahlreiche Bewohner der Gemeinde, sowie Freunde und Familie beteiligten sich an dem neu ins Leben gerufene Projekt. Auch die Tageszeitung berichtete über die bevorstehende Ausweisung, die zwar grundsätzlich dem deutschen Recht entsprach, aber in unseren Augen mit Gerechtigkeit nicht vereinbar war.

Wie bist du / seid ihr zu der Entscheidung gekommen?

Natürlich waren viele, gerade Freunde und Bekannte der Familie, über die geplante Ausbürgerung sehr verärgert. Auch in der Schule sprachen wir über den bevorstehenden Abschied der Klassenkameradin und wie man diesen vielleicht verhindern könnte. So kamen wir schließlich auf die Idee, Unterschriften gegen die Ausbürgerung zu sammeln und diese später der Gemeinde vorzulegen. Schließlich konnten wir nicht tatenlos dasitzen und zusehen! Immerhin ging es für manche auch um eine Freundin, die wir sonst vielleicht nie mehr wieder gesehen hätten.

Wie ging es nach der Entscheidung weiter?

Die Aktion sorgte für reichlich Diskussionsbedarf in der Gemeinde. Schließlich wurde entschieden, dass die Familie in der Gemeinde Senden wohnen bleiben und ein eigenes Haus bauen darf. Die Kinder besuchen das Gymnasium; die älteste Tochter steht kurz vor dem Abitur. Für uns war es nicht nur eine Entscheidung über die Ausbürgerung einer Familie allein! Denn die Maßnahmen, die durch uns und andere Mitbürger ergriffen wurden, zeigen, wie einfach man in das Demokratische Geschehen eingreifen kann. Es benötigt nicht viele Mittel; in unserem Beispiel nur Ausdauer und Überzeugungsvermögen. Wenn man sich wirklich bemüht, kann eine starke Gemeinschaft mit wenig Aufwand viel erreichen und wenn man es wirklich einmal selbst erlebt hat ist es nicht mehr nur ein so daher gesagter Spruch sondern Realität.