• EUSTORY Jugendakademie | Foto © David Ausserhofer

    ErlebnisOrte der Demokratie

    Junge Menschen aus ganz Deutschland waren eingeladen, persönlichen ErlebnisOrte der Demokratie in Bildern festzuhalten und zu kommentieren. Die Fotos zeigen, wo und wie Kinder und Jugendliche Demokratie positiv erleben – und wo sie sich mehr Beteiligung wünschen. Entdecken Sie, wie junge Menschen Demokratie im Alltag erleben!

  • Foto © Jann Wilken

    Wie wird Demokratie erlebt?

    Über 200 ErlebnisOrte der Demokratie bieten einen unvergleichlichen Einblick und zeigen, wie Kinder und Jugendliche – ganz persönlich – Demokratie im Alltag erleben: in der Schule, in der Familie und in der Clique, an großen, politischen Entscheidungen und an kleinen Momenten des Alltags.

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Die historische Bedeutung eines Straßenschildes

Mara und Laura (9. Klasse) aus Münster

Die historische Bedeutung eines Straßenschildes
13 – 16 Jahre
Interessen vertreten
Peer-Group

Worüber sollte entschieden werden? / Was war das Problem?

Unser Foto zeigt das Straßenschild der Galgenheide in Münster. Dass das Schild ein erklärendes Zusatzschild erhalten hat, liegt daran, dass wir (meine Freundin Laura Joaquim und ich, Mara Hemsing) das Katasteramt darum gebeten haben, die Geschichte / Bedeutung des Straßennamens zu erklären. Das Katasteramt hat tatsächlich eingewilligt und das Zusatzschild dort anbringen lassen.

Wer war an der Entscheidung beteiligt?

Wir (Laura Joaquim und Mara Hemsing) sowie das Katasteramt der Stadt Münster.

Wie bist du / seid ihr zu der Entscheidung gekommen?

Von September 2011 bis Februar 2012 nahmen wir am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil. Dabei ging es um Skandale in der Geschichte. Wir schrieben eine Arbeit über einen heftigen Streit, der 1994 in einem Neubaugebiet darüber entbrannte, ob eine Straße nach der im Jahre 1635 als „Hexe“ verurteilten und hingerichteten Greta Bünichmann benannt werden sollte. Viele Anwohner der zukünftigen Straße in dem katholischen Viertel protestierten gegen die Namensgebung, weil sie nicht in einer „Hexenstraße“ wohnen wollten. Letztendlich setzten sich die Befürworter des Namens durch, und so wird seitdem der Opfer der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit gedacht. Während unserer Recherchen an der Arbeit fanden wir heraus, dass Greta Bünichmann auf der „Galgenheide“ vor den Toren Münsters hingerichtet wurde. Wir schauten im Katasteramt in alten Stadtkarten aus dem 17. Jahrhundert nach, ob die historische Galgenheide derselbe Ort ist, an dem heute noch eine Straße so heißt. Und tatsächlich sind die beiden Orte identisch. Wir fanden, dass das Straßenschild auf jeden Fall eine Ergänzung brauchte. Daher schrieben wir einen Brief ans Katasteramt und baten darum, dass das Straßenschild der Galgenheide ergänzt wird, damit die Geschichte des Ortes nicht in Vergessenheit gerät. Und tatsächlich klappte es. Wir wurden sogar informiert, wann das Schild angebracht wird und konnten dabei sein.

Wie ging es nach der Entscheidung weiter?

Durch unsere Recherchen haben wir eine ganze Menge darüber erfahren, wie häufig über die Deutung von Geschichte gestritten wird. Gerade auch um Straßennamen und damit verbundenen Ehrungen historischer Persönlichkeiten wurde und wird hier in Münster häufig gestritten. Die ehemalige Schlachthofstraße wurde z. B. umbenannt, weil die Anwohner nicht an den „tausendfachen Schweinetod“ erinnert werden wollten. Um den „Hindenburgplatz“ wird derzeit ein besonders heftiger Streit geführt. In Bezug auf die Galgenheide finden wir es grundsätzlich nicht verkehrt, auch an einen solchen Ort zu erinnern. Allerdings sollte die historische Bedeutung dieses Ortes bewusst wahrgenommen werden. Daher sind wir froh, dass unsere Meinung ernst genommen und das Straßenschild ergänzt wurde.