• Teilnehmer beim 1. RoundTable

    RoundTable

    Die Roundtable-Reihe »DemokratieErleben« greift zentrale Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung in Bund, Ländern und Kommunen auf. Entscheider aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis entwickeln Perspektiven für eine gelingende Zusammenarbeit aller Akteure bei der Verbreitung und Verankerung aussichtsreicher Beteiligungsmodelle und demokratischer Erlebnisorte.

  • Der 1. RoundTable

    Der 1. RoundTable

    »Verantwortung lernt am besten, wer Verantwortung übernimmt!« Unter dieser Maxime diskutierten zum Auftakt der RoundTable-Reihe »DemokratieErleben« am 28. Juni 2011 rund 30 hochrangige Vertreter aus Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlicher Praxis im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung über Perspektiven von Demokratiebildung und Jugendbeteiligung in Deutschland.

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Erinnerungskultur und schulische Extremismusprävention

RoundTable-Gespräch

Die deutsche Erinnerungskultur zielt über die Vermittlungen des Geschichtsunterrichts, der politischen Bildung, der Gedenkstättenpädagogik, der Medien und des weiten pädagogischen Feldes der Holocaust Education auf eine historisch-moralische Bildung ab, die zum einen Nationalsozialismus und Holocaust historisch verständlich machen, zum anderen Persönlichkeiten bilden soll, die sich gegenüber massen- oder völkermörderischer Gewalt widerständig verhalten können. Erklärte Erziehungsziele sind das Einüben von Demokratiefähigkeit und die Entwicklung von Zivilcourage.

Die Erinnerungs- und Gedenkkultur steht mittlerweile vor einer ganzen Reihe größerer Herausforderungen: Die Zeitzeugen werden bald für die Vermittlungsarbeit nicht mehr zur Verfügung stehen und mediale Formen der Präsentation von Vergangenheit bestimmen zunehmend die Erinnerung. Der Nationalstaat kann nicht mehr der selbstverständliche Referenzpunkt von Geschichtsschreibung und -kultur sein, weil er den Identitäts- und Selbstvergewisserungsbedürfnissen von Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Herkunftsländern nicht entspricht. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund bieten die schulische und mediale Vermittlung deutscher Geschichtskultur zu wenig, um ein Zugehörigkeit stiftendes Geschichtsbewusstsein entstehen zu lassen.

Zudem vermag der moralisch begründete Auftrag, »nicht zu vergessen«, als leere Pathosformel keine Lernprozesse zu stimulieren. Lernen am historischen Gegenstand muss heute vielmehr dazu beitragen, Gegenwartskonstellationen zu analysieren und ein wirksames Unterscheidungsvermögen dafür zu haben, welche Option unter gegebenen Bedingungen humanen und welche gegenmenschlichen Entwicklungen dient. Eine Neuakzentuierung der erinnerungskulturellen Arbeit kann die nationalsozialistischen Verbrechen und den Holocaust als das Gesellschaftsverbrechen nicht museal ins Zentrum stellen, sondern muss vermehrt diese Gegenwartsbezüge thematisieren, um ein emanzipatorisches Geschichtsbewusstsein entstehen zu lassen.

Prof. Dr. Harald Welzer hat gemeinsam mit Dr. Dana Giesecke 2012 in der edition Körber- Stiftung das Buch »Das Menschenmögliche. Zur Renovierung der deutschen Erinnerungskultur« veröffentlicht. Ihre These: Trotz der großen Erfolge der historischen Bildung braucht die Erinnerungskultur eine Modernisierung, um nicht in Musealität und leeren Ritualen zu erstarren. Erst eine gründliche Renovierung in thematischer wie vermittelnder Hinsicht macht sie zeitgemäß – als produktive Instanz politischer und historischer Bildung für die Demokratien des 21. Jahrhunderts.

Ablauf

14.00 Uhr Führung durch die Wewelsburg
Kirsten John-Stucke, Museumsleiterin
15.30 Uhr Begrüßung
Ludwig Hecke, Staatssekretär für Schule und Weiterbildung, Nordrhein-Westfalen
15.40 Uhr Impuls
Thesen zur Modernisierung von Erinnerungskultur und Extremismusprävention
Prof. Dr. Harald Welzer, Universität Flensburg
16.00 Uhr Kommentar
Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
16.15 Uhr Moderierte Diskussion mit RoundTable-Gästen
Moderation: Sven Tetzlaff, Leiter Bereich Bildung der Körber-Stiftung
17.15 Uhr Resümee

Weitere Informationen

Termin: Mittwoch, 2. Oktober 2013, 15.30 – 17.30 Uhr
Veranstaltungsort: Gedenkstätte Wewelsburg, Burgwall 19, 33142 Büren-Wewelsburg
Veranstalter: Körber-Stiftung, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen
Einladung: Geschlossener Teilnehmerkreis