• Teilnehmer beim 1. RoundTable

    RoundTable

    Die Roundtable-Reihe »DemokratieErleben« greift zentrale Fragen der Kinder- und Jugendbeteiligung in Bund, Ländern und Kommunen auf. Entscheider aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis entwickeln Perspektiven für eine gelingende Zusammenarbeit aller Akteure bei der Verbreitung und Verankerung aussichtsreicher Beteiligungsmodelle und demokratischer Erlebnisorte.

  • Der 1. RoundTable

    Der 1. RoundTable

    »Verantwortung lernt am besten, wer Verantwortung übernimmt!« Unter dieser Maxime diskutierten zum Auftakt der RoundTable-Reihe »DemokratieErleben« am 28. Juni 2011 rund 30 hochrangige Vertreter aus Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlicher Praxis im Hauptstadtbüro der Körber-Stiftung über Perspektiven von Demokratiebildung und Jugendbeteiligung in Deutschland.

  1. 1
  2. 2

Im Gespräch mit Susanne Roth-Wiesner

Susanne Roth-Wiesner, stellvertretende Schulleiterin der Grundschule Süd, Landau

Susanne Roth-Wiesner zeigte beim 2. RoundTable, wie die Grundschule Süd in Landau (Pfalz) Kindern bereits in der Grundschule Mitbestimmung ermöglicht. Die stellvertretende Schulleiterin erklärt im Interview, wie Grundschulkinder Demokratie lernen können und wie die demokratische Haltung die Schulqualität positiv beeinflusst. Die Schule wurde 2010 als Preisträgerin beim Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.

Die Verbindung von Grundschule und Demokratie wird häufig als unpassend erachtet. Gleichwohl versuchen Sie, Ihre Kinder in der Schule mitbestimmen zu lassen. Wie begleiten Sie die Kinder auf dem Weg zum mündigen Bürger einer demokratischen Gesellschaft und was können die Kinder dabei lernen?

Mittlerweile wurde in Rheinland-Pfalz die Mitbestimmung unter dem Aspekt „Ich und Andere“ im Rahmenplan Sachunterricht verankert. Die Kinder sollen die verschiedenen Mitbestimmungsmöglichkeiten kennen und angemessen nutzen. Zudem wurde Mitbestimmung auch in unserem Orientierungsrahmen Schulqualität festgeschrieben und gehört somit zu unserem Bildungsauftrag.

An unserer Schule wurden von Beginn an Gremien wie Klassenrat, Abgeordneten- und Schulversammlung eingerichtet. So haben die Schüler jederzeit die Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen und das schulische Leben aktiv mitzugestalten. In unserer täglichen eigenverantwortlichen Arbeitszeit übernehmen die Kinder bereits von Anfang an Verantwortung für ihren eigenen Lernweg, das stärkt ihr Selbstbewusstsein sowie das Durchhaltevermögen, ihr Ziel zu erreichen. Die Kinder erleben, dass man mit Engagement etwas bewegen kann und erzielen auch sichtbare Erfolge. Gleichzeitig wird ihnen immer wieder klar, wie anstrengend und langwierig solche Prozesse sein können. Möglichkeiten und Grenzen werden sichtbar und erlebbar. Meinungen sagen, Verantwortung übernehmen und mitzubestimmen, sich für etwas zu engagieren, verändert die Anspruchshaltung und macht stark für die Zukunft.

Wie geht eine demokratische Grundschule mit schwierigen Themen wie Atomenergie, Gewalt von rechts, Naturkatastrophen oder Eurokrise um?

Über das Atomunglück in Fukushima wurde in den Klassen gesprochen, weil es das Bedürfnis gab, sich über die Geschehnisse auszutauschen. Das Tsunami-Unglück 2004 hat in unserer Schulgemeinschaft eine große Solidarität ausgelöst, weil davon auch tamilische Familien betroffen waren. Die Kinder haben eine Sammelaktion durchgeführt und einen Lauf für hungernde Familien in Pakistan veranstaltet. Auch das Thema Schulen für Afrika spielt schon seit Jahren eine bedeutende Rolle und hier spenden wir regelmäßig an UNICEF. Durch die Verankerung der Kinderrechte in unserem Schulkonzept versuchen wir, mit den Kindern über den Tellerrand zu schauen, Einblicke in verschiedene Lebenswelten zu bekommen und sie für die Situation anderer Menschen zu sensibilisieren. Auch hier erleben die Kinder, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und Auswirkungen haben.

Spätestens ab Klasse 4 muss sich auch eine demokratische Grundschule dem Zwang unterwerfen, ihre Kinder für das weiterführende Schulwesen nach Leistung zu „sortieren“. Wie versucht Ihre Schule, Übergänge im Hinblick auf Gerechtigkeit und Mitbestimmung bei Kindern und Eltern zu gestalten?

In Rheinland-Pfalz ist eine Schulempfehlung nicht bindend, gleichzeitig müssen wir als Schule eine abschlussbezogene Empfehlung geben. In gemeinsamen Lehrer-Eltern-Schüler-Gesprächen steht die Selbsteinschätzung im Vordergrund sowie das Herausarbeiten wichtiger Kompetenzen, die für die weitere Schullaufbahn wichtig sind. Schon von der ersten Klasse an ist es unser Ziel, die Kinder zu befähigen sich selbst einzuschätzen und sich mithilfe von Rückmeldungen weiterzuentwickeln. Wir sehen immer wieder, dass die Schüler selbst genau wissen, was ihre Stärken sind. Den Eltern hingegen fällt es nicht immer leicht, dies zu erkennen und anzunehmen. Langsam ändert sich bei uns auch die Schullandschaft und einige Schüler erhalten durch den Besuch einer Integrierten Gesamtschule die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, ohne sich bereits vorher auf einen möglichen Schulabschluss festzulegen. Wir versuchen auch weiterhin, die Kinder und Eltern durch intensive Gespräche auf diesem oft schwierigen Entscheidungsweg zu begleiten und zu stärken. Die frühe Festlegung auf einen Schulzweig wird nicht dem Anspruch gerecht, Schüler auf ihren individuellen Lernwegen zu begleiten und den Übergang entsprechend zu gestalten. Hier sehen wir als Grundschule einen hohen Handlungsbedarf und müssen uns zukünftig dafür aktiv einsetzen.